Kurzbeschreibung Spinale Muskelatrophie

Die Spinale Muskelatrophie wird eingeteilt in SMA Typ 1-4, z.T. wird auch ein Typ 0 miteinbezogen. Ältere Bezeichnungen sind Werdnig-Hoffmann- und Kugelberg-Welander-Erkrankung.

Die Einteilung in die Subtypen erfolgt anhand der klinischen Schwere der Symptomatik. Typ 1 beschreibt die Form der SMA, die sich bereits in den ersten Lebensmonaten manifestiert und unbehandelt dazu führt, dass betroffene Kinder weder frei sitzen, noch laufen lernen. Die Lebenserwartung ist stark eingeschränkt. Kinder mit SMA Typ 2 zeigen meist im 2. Lebenshalbjahr erste Symptome und erlernen das freie Sitzen, nicht aber das Laufen. Betroffene mit SMA Typ 3 erlernen das Laufen und zeigen erste Symptome nach dem 1. Lebensjahr. Die adulte Form wird oft als Typ 4 bezeichnet, hier ist das Fortschreiten der Symptome recht unterschiedlich. Typ 0 bezeichnet kongenitale Formen, also Neugeborene, die bereits mit einer ausgeprägten Muskelschwäche zur Welt kommen.

Allen Formen gemeinsam ist der fortschreitende Untergang des 2. Motoneurons im Rückenmark (synonym: Vorderhornzellen). Eine Beteiligung des 2. Motoneurons im Bulbärbereich (Hirnstamm) besteht, im Gegensatz zur spinobulbären Muskelatrophie (SBMA), nicht.

2. Motoneuron spinal

Klinische Symptomatik der SMA

Durch die Erkrankung des 2. Motoneurons im Rückenmark tritt eine fortschreitende, schlaffe Muskelschwäche mit Muskelabbau der Extremitäten auf, die proximal (stammnah) betont ist. Durch eine Schwäche der Atemhilfsmuskulatur und des Zwerchfells, also der sogenannten Atempumpe, kommt es zu einer Einschränkung der Lungenfunktion. Oftmals wird dadurch eine Beatmung notwendig. Im Verlauf der Erkrankung kommt es häufig zu einer Verkrümmung der Wirbelsäule (Skoliose) und auch anderen Gelenkfehlstellungen.

Genetik der SMA

Die häufigste Form der Spinalen Muskelatrophie (SMA) wird autosomal rezessiv vererbt. Bei betroffenen Patienten liegt dann in 95% eine homozygote Deletion des Gens SMN1 auf Chromosom 5 (5q13.2) vor. Manchmal wird daher auch von der 5q-assoziierten Spinalen Muskelatrophie gesprochen.

Wesentlicher Einflussfaktor auf die Schwere der Erkrankung hat das benachbarte Gen SMN2, das in unterschiedlicher Kopienzahl vorliegen kann. Je mehr Kopien des Gens SMN2 vorliegen, desto milder verläuft die Erkrankung. Grund dafür ist, dass SMN2 nahezu identisch zu SMN1 ist und durch das eine, wenn auch deutlich geringere, Menge des funktionsfähigen Proteins gebildet werden kann.

 

Unter den Patienten mit der klinischen Diagnose SMA Typ 4 finden sich zum Teil auch Formen, die autosomal dominant vererbt werden; hier kommen dann Mutationen in anderen Genen, wie z.B. BICD2, in Frage.

Therapie der SMA

Seit 2017 steht für die Behandlung der SMA das Medikament Nusinersen (Handelsname: Spinraza) zur Verfügung. Hierbei handelt es sich um ein Antisense-Oligonukleotid, das in den Ableseprozess am SMN2-Gen eingreift und dazu führt, dass SMN2 funktionell in ein SMN1-Gen umgewandelt wird. Dadurch kann wieder funktionsfähiges SMN-Protein gebildet werden. Das Medikament wird in festgelegten Abständen intrathekal (also in den Liquorraum im Wirbelkanal) verabreicht.

Zudem wurde eine Gentherapie entwickelt, die seit 2019 in den USA unter dem Namen Zolgensma zugelassen ist. Eine Entscheidung zur Zulassung in Europa steht noch aus.

Neben den nun zur Verfügung stehenden krankheitsmodizifierenden Therapien haben weiterhin symptomorientierte Therapien, die orthopädische Mitversorgung sowie eine adäquate Hilfsmittelversorgung einen hohen Stellenwert. Regelmäßige Physiotherapie und Ergotherapie sind ebenfalls außerordentlich wichtig.

Typisch für die Spinale Muskelatrophie

  • Häufigste Form: autosomal-rezessive Mutation im Gen SMN2 auf Chromosom 5 (5q-assoziierte SMA)
  • Einteilung in Typ 1-4 anhand der Schwere der Symptomatik
  • Erstmals stehen krankheitsmodifizierende Therapien für diese schwere Erkrankung zur Verfügung

Nützliche Links

Orphanet stellt hochwertige Informationen über seltene Krankheiten zur Verfügung und gewährt gleichberechtigten Zugriff auf diese Informationen für alle

Link zu TREAT-NMD Behandlungsstandards

Patientenregister SMA und Selbsthilfeorganisationen

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