Kurzbeschreibung spinocerebelläre Ataxien

Die spinocerebellären Ataxien (SCA) sind eine Gruppe von autosomal-dominant vererbten erblichen Ataxien. Bisher sind über 40 Unterformen bekannt, wobei die vier häufigsten (SCA1, SCA2, SCA3 und SCA6) in Mitteleuropa mehr als die Hälfte aller SCAs ausmachen. Die Einteilung erfolgt anhand des von der ursächlichen Mutation betroffenen Gens.
Gehirn Betonung Kleinhirn

Klinische Symptomatik der spinocerebellären Ataxien

Die spinocerebellären Ataxien beginnen typischerweise im Erwachsenenalter, z.T. auch erst im höheren Lebensalter. Sie äußern sich durch eine zunehmende Gangstörung, im Verlauf treten oft auch weitere zerebelläre Symptome auf wie eine Sprechstörung, Okulomotorikstörung, muskuläre Hypotonie, Rumpf- und Extremitätenataxie und ein Intentionstremor. Neben dem Kleinhirn können je nach Unterform der SCA auch verschiedene weitere Bereiche des Nervensystems betroffen sein. So können parkinsonähnliche Symptome auftreten, aber auch Pyramidenbahnzeichen (Spastik, gesteigerte Reflexe, Babinski-Zeichen), eine Mitbeteiligung des peripheren Nervensystems oder autonomer Systeme (imperativer Harndrang, Urge-Inkontinenz, Impotenz, orthostatische Dysregulation).

Einzelne Unterformen zeigen typische Zusatzsymptome, die sie klinisch von den anderen Formen der SCA unterscheiden. So tritt bei der SCA7 eine fortschreitende Sehstörung durch eine Makuladegeneration auf, sowie eine Ophthalmoplegie. Die SCA17 ähnelt klinisch der Huntingtonschen Erkrankung und zeigt neben der Bewegungsstörungen auch psychiatrische Auffälligkeiten.

Eine Unterscheidung der einzelnen Unterformen anhand der klinischen Symptomatik ist aber ansonsten kaum möglich, daher erfolgt eine genaue Zuordnung durch die genetische Diagnostik.

Genetik der spinocerebellären Ataxien

Die spinocerebellären Ataxien werden autosomal-dominant vererbt. Ein großer Teil der spinocerebellären Ataxien (SCA 1, 2, 3, 6, 7, 17) wird durch eine Verlängerung eines DNA Abschnittes, der Basensequenz CAG, in unterschiedlichen Genen verursacht. Durch eine Aneinanderreihung dieser sog. Tripletts wird im translatierten Protein die Aminosäure Glutamin übermäßig häufig eingebaut, wodurch das Protein instabil wird, was als Ursache der Erkrankung angesehen wird. Erkrankungen, bei denen dieser Mechanismus ursächlich vorliegt, werden daher auch als Trinukleotidrepeaterkrankungen oder Repeaterkrankungen bezeichnet.

Bei den übrigen Unterformen handelt es sich meist um sog. Missense Mutationen mit einem einzelnen Basenaustausch, oder um Repeatverlängerungen in sog. Nicht-kodierenden Genabschnitten.

Therapie der spinocerebellären Ataxien

Zum aktuellen Zeitpunkt existiert keine ursächliche Therapie der spinocerebellären Ataxien. Eine klinische Studie von 2015 zeigte, dass Riluzol, ein Medikament, das bei der Amyotrophen Lateralsklerose eingesetzt wird, einen positiven Effekt auf den Krankheitsverlauf bei der Friedreich Ataxie und den spinocerebellären Ataxien hat.

Die medizinische Betreuung sollte multidisziplinär erfolgen. Ziele der symptomatischen Therapiemöglichkeiten sind in erster Linie der Funktionserhalt und die Verbesserung der Lebensqualität und insbesondere der Mobilität. Einen hohen Stellenwert haben Physiotherapie, Ergotherapie und Hilfsmittelversorgung, aber auch Logopädie zur Behandlung von Sprech- und Schluckstörungen.

Neue Therapieansätze, wie z.B. die Anwendung sog. Antisense-Oligonukleotide wurden bisher noch nicht in klinischen Studien bei Patienten mit spinocerebellären Ataxien getestet, bieten aber eine Möglichkeit für die Zukunft.

Typisch für die Spinocerebellären Ataxien:

  • Autosomal-dominanter Erbgang, d.h. meistens sind mehrere Generationen betroffen
  • Beginn meist im Erwachsenenalter
  • Fortschreitende ataktische Gangstörung, verwaschene Sprache in Verbindung mit unterschiedlichen anderen neurologischen Symptomen

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